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Alt 11.12.2017, 14:46   #21
Fridspeed
MFF Experte für Pistolen der dt. Truppen im II. WK
 
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Hallo Alex,

ein wenig gibt es schon zum Thema:

http://www.militaria-fundforum.de/sh...d.php?t=625485

Die Leuchtmasse in den Zeigern zu erneuern, stellt für den Uhrmacher und auch den ein oder anderen fachkundigen Sammler keine große Schwierigkeit dar. Es gibt verschiedene Leuchtpasten zu kaufen, mit denen die Zeiger neu befüllt werden können.

Die heutigen Leuchtpasten gibt es leider nicht in den Farben der damaligen Leuchtmasse!
Damit hat man das Problem, dass jeder etwas informierte Uhrensammler sofort den Unterschied erkennt. Und selber? Mich persönlich stört es sehr stark, wenn ich auf ein altes Zifferblatt mit vielleicht noch alter Leuchtmasse versehenen Indexen oder Zahlen sehe und die neue Leuchtmasse der Zeiger förmlich direkt ins Auge springt.

Was kann man also machen?
Man muss versuchen die Leuchtmasse mit anderen Mitteln möglichst individuell an die restlich verbliebene Leuchtmasse z. B. den Zahlen anzupassen!
Dies ist allerdings viel leichter geschrieben als getan! Und hier sind dann auch die meisten Uhrmacher aus dem Thema heraus. Zum einen haben sie sich mit dem Thema nicht befasst und daher keine Erfahrungswerte und zum anderen will keine Kunde den Zeitaufwand für Experimente Zahlen. Experimentieren muss man aber, schließlich soll der Farbton möglichst stimmig ausfallen.
Ein Thema mit dem ich mich lange beschäftigt habe und auch viel experimentiert habe.
Die passende Füllung zu mischen gelingt manchmal recht gut und manchmal leider auch weniger gut. Die Gründe liegen daran, dass man immer wieder einen individuellen Farbton mischen muss. Hierzu nimmt man unterschiedliche Komponenten. Und selbst, wenn man den gewünschten Farbton bei der Mischung getroffen hat, kommt es vor, dass nach dem aushärten der Masse sich die mühsam passend gemischte Farbe verändert hat.
Dies mag vielleicht ein wenig erklären, warum die meisten Uhrmacher dieses Thema meiden. Schließlich muss bei einem Gewerbebetrieb der Ertrag im Einklang mit der Gewährleistung stehen! Und der Kunde muss den Zeitaufwand bereit sein zu bezahlen!

Natürlich gibt es noch Restauratoren und auch professionelle Zifferblattbearbeitungsbetriebe, für die diese Arbeit kein Problem darstellt. Nur, die Kosten für den Arbeitsaufwand stehen in keinem Verhältnis zum Wert der Uhr. Und auch hier wird in vielen Fällen der gewünschte Farbton nur annähernd getroffen. Will man es aber gleich haben, dann muss man auch das Zifferblatt gleich mitmachen lassen. Und spätestens bei diesem Gedanken, stehen bei den meisten Sammlern die Nackenhaare hoch!
Original ist nun einmal original! Und wenn es dann glücklicherweise erhalten geblieben ist, dann darf da keiner Hand anlegen!
Es bleibt also schwierig! Zumindest bei Sammleruhren, deren originales Aussehen es zu erhalten gilt. Bei anderen Uhren, die nur ihre Bestimmung erfüllen sollen oder zufällig einen Farbton in passender zukaufender Leuchtpaste haben, stellt dies für Uhrmacher kein Thema dar.
Der Aufwand an Arbeitslohn dürfte mit einer Arbeitsstunde plus Steuer erledigt sein!

Was muss grundsätzlich gemacht werden um die Leuchtmasse zu erneuern?

1.) Werk ausbauen
2.) Zeiger abheben
3.) Zeiger von der alten Restleuchtmasse, Schmutz und Korrosionsspuren befreien.
4.) Passende Leuchtmasse anrühren*
5.) Zeiger neu mit der angerührten Leuchtmasse füllen
6.) Zeiger mit der Leuchtmasse trocknen/aushärten lassen
7.) Kontrolle der getrockneten Leuchtmasse (oft darf man die Arbeit neu machen weil der Farbton sich zu stark verändert hat oder die Masse aufgrund der verwendeten Komponenten rissig geworden ist*)
8.) Zifferblattoberfläche reinigen
9.) Zeiger wieder aufsetzen, justieren und die einwandfreie Funktion ausprobieren
10.) Werk wieder einbauen und Funktion der Zeiger testen

*Die Punkte 4 und mögliche Aushärtungs- und Farbänderungspannen unter Punkt 7 entfallen bei Verwendung von fertiger Leuchtmasse!

Was braucht man an Material?

Nur die passende Leuchtmasse. Fertig gekauft oder aber mit eigenen Rezepturen angerührt.

Braucht man spezielles Uhrmacherwerkzeug? Ja.

Gehäuseöffner, verschiedene Zeigerabheber, eventuell noch Zeigeraufsetzer, Zifferblattschutz beim abnehmen der Zeiger (könnte man auch selber herstellen), verschiedene Schraubendreher
optional: Glasabheber

Sind Fachkenntnisse erforderlich:
Unbedingt sind Erfahrungen bei solchen Arbeiten erforderlich!
Dies geht schon beim Ausschalen des Werkes los. Hierzu muss die Stellwelle (Aufzugswelle) entfernt werden, was schon einiges an Erfahrung voraussetzt. Heraus bekommt die Welle nach kurzer Anleitung auch der Laie. Aber, sie soll auch wieder richtig hinein! Und hier kann man sehr schnell einen größeren Aufwand produzieren wenn die erforderliche Routine fehlt.

Fazit: Von unerfahrenen Selbstversuchen kann ich nur dringend abraten!
Zu empfehlen wären Uhrmacherbetriebe, der sich nachweislich mit der Restaurierung von alten Uhren beschäftigt haben.
In vielen Fällen wird die Höhe des Kostenvoranschlages den Wunsch nach einer neuen Füllung der Zeiger dann tilgen.

Gruß

Fridspeed

NS. Oh weiha, nun habe ich einen kompletten Vortrag zu einer einfachen Frage geschrieben.
Man muss aber nicht alles lesen, wenn man nicht will.
Frage und Beitrag verschiebe ich in die passende Rubrik!
__________________

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